Ich habe eindlich wieder mal ein Buch beendet. Was trüb anfängt kann ja noch heiter werden. Wieder einmal mehr hat Franz Obrist es geschafft, sämtliche Sympathiepunkte bei mir abzusahnen. Ich hatte ganz heftiges Mitleid mit ihm. Die grösste Liebe seines Lebens, Venezuela (benannt nach ihrem Heimatland), ist mit einem Arschloch zusammen, seine Mutter ist gestorben und niemand will sich um ihn kümmern. Moment, man muss auch noch sagen, dass er gar nicht will, dass sich jemand um ihn kümmert. Er angelt sich von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob. Überall wos ernster wird haut er ab. Egal obs um Beziehungen oder um den Beruf geht. So macht er kurzen Prozess schnappt sich seinen besten Freund, MC den Dachs, und haut ab. Zu Fuss richtung Mongolei. Warum nicht? Während der ganzen Reise träumt er von einer kleinen Hütte mitten in der Mongolei, einem kleinen Gemüsegarten, einigen Gespielinnen und einem ruhigen Leben mit seinem Kumpan. Der übrigens nicht sehr überzeugt ist von der Reise.
Genau mit diesem Kumpan hat er dann sehr amusante Gespräche unterwegs:
“Ich entführe Sie zu unbekannten Orten, Herr Dachs. Ich finde Sie dürften ruhig etwas mehr Lust zeigen, Hindernisse zu überwinden, Eroberungen zu machen.”
“Wir sind völlig unvorbereitet losgegangen, Herr Obrist. Sie haben niemanden befragt, der schon vor uns zu solch einer Expedition aufgebrochen ist. Sie kennen die geheimen Wasserstellen, den Wildwechsel, die Beerenhaine nicht. Wissen nicht, welche Landstriche gefährlich sind, wie wir brennende Wälder, Erdspalten, Rieseninsekten umgehen können.”
“Das Vergnügen einer Reise besteht nicht darin, den Weg jederzeit auf der Karte zu verfolgen.”
“Kein Weiser hat uns im Umgang mit Pfeil und Bogen unterrichtet. Uns den Weg in den Staub gezeichnet, uns einen Talisman in die Hand gedrückt, der uns schützt.”
“Aber Sie sind doch mein Ratgeber, Herr Dachs, Sie weisen mir den Weg und statten mich mit magischen Kräften und Gerätschaften aus. Erinnern Sie sich in Krieg der Sterne erhält Luke von Obi Wan das Lichtschwert…”
“In Der Zauberer von Oz gibt die Hexe der guten Dorothy die roten Schuhe, die sie wieder nach Hause bringen.”
In Innsbruck und in Lubljana macht er einen grösseren Zwischenhalt. Sucht sich ein bisschen Arbeit und ein paar Geliebte und zieht dann wieder weiter. Denn Dachs “fast” immer brav an seiner Seite.
Ein Buch das ich jedem empfehlen würde. Ebenso die Vorgänger “Franz, oder warum Antilopen nebeneinander gehen” und “Luna Lena”. Auch hier zu finden.