Da die Kastanienstachel, oder was davon übrig blieb, sich in meiner Handinnenfläche verschanzte und da ihr Unwesen trieben fing ich langsam an mir Sorgen zu machen. Pincette und Zugsalbe nützten nicht wirklich. Als ich dann im Büro schon fast des Todes geweiht wurde und mir eine Blutvergiftung garantiert wurde griff ich also doch noch zum Telefonhörer. Ich bin da so in einem Programm, dass ich nicht einfach zum Doktor gehen kann sondern immer erst eine Hotline anrufen muss. Die nette Dame von der Hotline stellte mir also allerhand Fragen. Haben Sie eine rote Linie, die bis zum Ellbogen führt? Ist Ihnen schlecht? Haben Sie Fieber? etc. Ich antwortete brav: Nein ich habe (noch) keine Blutvergiftung. Per Knopfdruck kam dann meine Diagnose. Ich musste innert den nächsten sechs Stunden zum Arzt und mir die Stacheln entfernen lassen.
Ich arbeitet also brav bis Feierabend und war dann erst so um halb sechs mal im Spital um zu merken, dass die bereits um fünf die Sprechstunde schliessen. Der Mann an der Info hat für mich entschieden das ich sofort in die Notaufnahme gehen müsse. Da angekommen wurde mit als erstes mitgeteilt, dass es sehr nett von mir sei aus dem Tessin ein Souvenir für ihn mitgebracht zu haben. Ich teilte ihm also mit, er dürfe die Stachel gerne haben, wenn er sie denn aus meiner Hand zaubern könnte. Na, nur nicht zu schnell, erst wurden alle abertausend Fakten und Personalien und so aufgenommen und dann hiess es erst mal warten.
So eine halbe Stunde später wurde ich dann aufgerufen. Der Assistenzarzt war komplett hilflos, der Arzt wusste auch grad nicht weiter. Sie haben vor allem alle einen mindestens fünf Centimer grossen Stachel erwartet und nicht zwanzig kaum erkennbare. Also war ich irgendwie eine Sensation. Irgendwann standen dann etwa sechs Ärzte, angehende Ärzte und Ops-Schwestern um mich rum und diskutierten, was den am besten zu tun sei. Nebenan stöhnte ein Typ mit einem ziemlich blutigen T-Shirt und auf der anderen Seite war ein alter Betrunkener mit einem Fremdkörper im Hals. Die mussten aber erst mal warten, war mir irgendwie unangenehm. Na gut, die erfahrenste Ops-Schwester beschloss dann, dass sie mal den grössten Stachel versucht rauszugrübeln. Nachdem dieser “grosse” raus war, waren sich alle einig dass die anderen von alleine rauskommen sollten. Das könne anscheinend gut und gerne auch zwei bis drei Wochen gehen. Frau Filomenal wurde also mit einem riesigen Pflaster in der Hand wieder entlassen und fuhr mit dem Velo von der Notaufnahme wieder nach Hause. Und fertig war das lustige Spektakel.